Fakten zur aktuellen Diskussion um Gold und zur Goldinitiative

von Pascal Roth




Wahre Werte


Häufig verwechselt wird der Preis mit dem Wert einer Sache. Es ist höchste Zeit, einige Missverständnisse rund ums Geld auszuräumen.


Was ist der Wert einer Tausendernote?- Rund 30 Rappen. Das sind die Herstellungskosten laut Orell Füssli. Trotzdem kann man mit dem länglichen Portrait des Basler Kunsthistorikers Jacob Burckhardt viel Schönes erwerben. Das ist praktisch und funktioniert. Jedenfalls solange der Verkäufer an die (Kauf-)Kraft des bunten Zettels glaubt. Es geht also um Vertrauen. Wir vertrauen unserer Nationalbank, der Schöpferin des Frankens, der Hüterin der Preisstabilität.

Unsere Vorfahren haben beim Handeln keiner zentralen Institution vertraut. Sie sahen den direkten Nutzen des Tauschguts. So dienten einigermassen haltbare Sachwerte wie Salz, Felle, Werkzeuge und Metalle oder in anderen Kulturen Muscheln und Perlen als Warengeld. Aus heutiger Sicht klingt das alles furchtbar unpraktisch. Wir zücken lieber die Karte (Plastikgeld) oder eben den Schein (Papiergeld).


Geld muss nur drei Dinge können


Dass der Schein manchmal trügt, wird klar, wenn man sich den Zweck des Geldes vor Augen führt. Erstens ist es ein Zahlungsmittel. Zweitens ist es ein Wertaufbewahrungsmittel. Drittens ist es ein WertmassstabAls Zahlungsmittel taugt der Franken nur in einem relativ kleinen Gebiet, auf gut 41'000 Quadratkilometern. Als Wertaufbewahrungsmittel hat der Franken nachweislich versagt. Selbst wenn ich den Hunderter, den meine Grossmutter in den Fünfzigern auf die Seite legte, noch in ein Exemplar der heutigen Serie tauschen könnte, wäre ich bitter enttäuscht, wie wenig die damalige Arbeitsleistung einer ganzen Woche heute noch wert ist. Klar: Im Sparschwein der Grossmutter gab es keine Zinsen. Ebenfalls nichts kriegen wir heute für unseren Saldo bei der Bank, zumindest nach Kontoführungsspesen. Bevor wir das Hunderternötli für unsere Enkel allzu gut verstecken, sei gewarnt: Die aktuelle Banknotenserie wird 2016 ersetzt. Nun bleibt auch die dritte Aufgabe unseres Geldes mehr schlecht als recht erfüllt. Als Wertmassstab taugt der Franken höchstens noch innerhalb derselben Region und derselben Epoche. Ein Kebab kostet in Solothurn weniger als in Zürich. Dennoch sind beide gleich viel wert. Beide stillen unseren Hunger. Und dasselbe taten sie auch, als sie vor zehn Jahren nur sieben Franken kosteten.


Den Fokus öffnen


Unsere (noch) geschätzte Landeswährung ist nicht isoliert zu betrachten. Ihre Kaufkraft hielt sich relativ gut im Vergleich zum US-Dollar oder den meisten übrigen Währungen. Das internationale Geschehen, Devisenkurse und Zinsen spielen eine entscheidende Rolle für unsere Währungshüter. Die Schweizer Nationalbank hat ihre Bilanzsumme unfreiwillig auf über 500 Milliarden Franken aufgebläht. Zunächst musste sie Unmengen Liquidität erzeugen und bereitstellen, um den Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Seit dem 6. September 2011 kauft sie Milliarden Euros, um den Mindestkurs von 1.20 zu verteidigen. Als der Franken zu stark wurde und damit Schweizer Produkte im Ausland empfindlich verteuerte, war der Mindestkurs die einzige Option, um tausende Arbeitsplätze in der Exportindustrie und im Tourismus zu erhalten. Der Euro-Mindestkurs ist auch der Hauptgrund, warum es bei uns keine höheren Zinsen gibt. Die florierende Volkswirtschaft und allzu günstige Hypotheken sprechen für höhere Zinsen. Aber höhere Zinsen würden den Aufwertungsdruck des Frankens erneut anfachen.

Heute wollen alle grossen Volkswirtschaften eine schwächere Währung. So lassen sich die eigenen Schulden entwerten und die Exporte antreiben. Aufgrund der Wechselkurse (eine Währung steigt, die andere fällt) können nicht alle Länder gleichzeitig eine schwache Währung haben. Also überbieten sich die Zentralbanken gegenseitig beim Gelddrucken, beim Verwässern ihrer Währungen. Das jüngste Extrembeispiel ist Japan.


Unliebsame Nebenwirkungen

Dass das ungedeckte Aufblasen der Geldmenge (Inflation) keine Teuerung verursacht, liegt an der Tatsache, dass Geld zwei Dimensionen hat: Menge und Geschwindigkeit. Bleibt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes tief, steigen die Preise alltäglicher Güter nicht. Ein Grund ist der sogenannte Cantillon-Effekt: Das Geld fliesst zuerst in die Geschäftsbanken und in Wertpapiere, also nicht in die Realwirtschaft. Resultat: Die Vermögensschere öffnet sich immer weiter. Wohlhabende werden ohne Arbeit reicher. Wer nicht an der Börse partizipieren kann, bleibt arm. Dass sich der Arme theoretisch die Produktion einer Tausendernote leisten könnte, nützt ihm nichts.

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This entry was posted on Monday, May 7th, 2012 at 12:05 pm and is filed under . You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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